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    Bürgerhaus

    Bürgerhäuser: Einhaltung der Betriebsvorschriften oftmals vernachlässigt

    Der sichere und legale Betrieb eines Bürgerhauses welches als Versammlungsstätte eingestuft ist, wird nicht nur durch die rechtskonforme Umsetzung baulicher Regelwerke bedingt. Vereinfacht formuliert: Es reicht nicht aus, Rettungswege in der entsprechenden Breite zu bauen. Sie müssen auch freigehalten werden, wenn bspw. eine Veranstaltung im Gebäude stattfindet.
    Betriebsvorschriften werden jedoch allzu oft missachtet. Nicht selten beginnt es mit einer Vernachlässigung im Kleinen und wird zu einer gewohnheitsmäßigen Daueranwendung. Klassisches Beispiel ist der Notausgang. Beim ersten Mal wird nur kurz ein Karton während des Aufbaus hiervor abgesetzt. Beim nächsten Mal will man für das Event ein zusätzlichen Stehtisch im Raum platzieren und stellt ihn halbseitig vor den Notausgang. Schließlich wird regelmäßig der Stehtisch dort platziert bis er irgendwann nicht mehr weggeräumt wird und vollständig vor dem vorgeschriebenen Notausgang steht. Argumentation des Personals: „Ein kleiner Mangel fällt nicht ins Gewicht.“
    Die Verkettung von unglücklichen Umständen führt zur Katastrophe!

    Was heißt Betrieb?
    Nicht nur die Veranstaltung in einem Bürgerhaus fällt unter „Betrieb“. Auch Vor- und Nachbearbeitung bzw. Auf- und Abbaus sowie Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen gehören zum „Betrieb“.

    Was kann bei Nichteinhaltung der Betriebsvorschriften passieren?

    • Sofortige Betriebseinstellung (also auch Abbruch einer Veranstaltung)
    • Bußgeld bis zu 500.000€

    Was sind Betriebsvorschriften in einem Bürgerhaus?
    Die Musterbauordnung regelt in Teil 4 Betrieb im Wesentlichen für den Betrieb

    • die Freihaltung der Rettungswege,
    • die Brandverhütung,
    • den Betrieb techn. Einrichtungen sowie
    • Anwesenheitspflichten und Pflichten des Betreibers.

    Hinzu kommen verschiedene Regelwerke aus dem Arbeitsschutz bzw. dem Normenwerk der DGUV.

    Wer ist verantwortlich für die Einhaltung der Betriebsvorschriften?
    Der Betreiber; er kann diese jedoch delegieren. So kann während des Betriebs ein vom Betreiber beauftragter Veranstaltungsleiter gemäß §38 (2) MVStättVO die Einhaltung der Vorschriften überwachen.

    Die Aufgaben eines Veranstaltungsleiters können Sie hier nachlesen.

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    Evakuierungshelfer

    Evakuierungshelfer: Erfahrungsbericht eines Seminarteilnehmers

    Jana, 29

    Vor Kurzem nahm ich in unserem Haus an der Unterweisung für Evakuierungshelfer teil. Als Guest Experience Managerin komme ich eher selten mit den Sicherheitsvorkehrungen in unserem Hotel in Berührung und hatte mich bereits auf einen tristen Vormittag voller Vorschriftstexte eingestellt.

    Polonaise in der Kölnarena

    Doch dann beginnt Herr Jastrob mit der Frage, ob wir eine karnevalistische Polonaise für eine geeignete Evakuierungsmaßnahme halten würden. Unter den Kollegen -darunter auch das Facility Management, das die Einhaltung des Brandschutzes bei uns überwacht und firmer auf dem Gebiet ist- macht sich Verwunderung breit.
    „JA“, kommt überzeugt von unserem Dozenten. „Wenn es die Umstände erfordern“, ergänzt er dann noch ehe er uns erläutert warum. So gab es vor mehreren Jahren eine ernstzunehmende Bombendrohung gegen die Kölnarena, in welcher gerade eine Karnevalsveranstaltung lief. Um die Gäste nicht zu beunruhigen und den möglichen Attentäter zu alarmieren entschieden sich die Verantwortlichen, eine Polonaise ins Programm einzuschieben mit der sie die Gäste aus der Arena führten.
    Irgendwie dachte ich mir nach dieser Geschichte dann doch, dass der Vormittag interessant werden könne. Hängen geblieben ist auf jeden Fall direkt der Grundsatz, situationsbedingt angemessen zu reagieren.

    Natürlich kamen auch noch die Vorschriften zur Sprache. Allerdings veranschaulicht im praxisnahen Bezug erschienen diese gar nicht mal mehr so trocken. Hier war es sicherlich auch nicht verkehrt, dass unser Dozent nicht nur durch die Welt reist und Vorträge hält, sondern man ihm anmerkte, dass er überwiegend in der Praxis tätig ist und über jahrelange Erfahrung verfügt.

    Und los…
    Die wollte Herr Jastrob uns auch gleich einmal näherbringen. Also ging es einmal quer durchs Haus und wir haben eine kleine Evakuierung mit den Teilnehmern durchgespielt. Dass man unter Prüfers Augen nicht nur kurz die Zimmertür öffnet und reinschaut sondern auch reingeht und sich vergewissert, dass es leer ist, war dabei selbstredend. Doch dann fragt Herr Jastrob: „War der Balkon zu? Haben Sie in den Schrank geschaut?“.
    Balkon: Ok. Hier muss ich auf darauf achten, dass niemand draußen steht. Verstanden!
    Schrank: ? Warum soll ich in den Schrank schauen? Meint er, dass man anhand des Gepäcks prüfen könne, ob die Gäste nicht doch schon abgereist sind?
    Die Aufklärung kam prompt. Kinder verstecken sich in Angstsituationen. Sie kriechen nicht nur unters Bett, sondern suchen auch schon mal im Schrank Schutz.
    Wieder was gelernt.

    Was bleibt?
    Aus einer angenommen öden Unterweisung wurde ein kurzweiliger Workshop, bei dem meine Kolleginnen und Kollegen und ich nicht nur Spaß hatten, sondern auch viele Erkenntnisse mitgenommen haben.
    Für mich persönlich nehme ich vor allem mit, dass ich mich der Thematik nun gewachsen sehe, während ich vorher einfach nur immer hoffte, dass bloß nichts passiert (nicht mal eine Übung).
    In den Tagen danach habe ich übrigens das Hotel aus einer ganz anderen Perspektive gesehen. Haben mich vorher Rauchschutztüren selbst genervt, schaue ich jetzt immer ganz akribisch, ob auch keiner deren Funktion verhindert, indem er sie mit einem Wäschewagen o.ä. aufhält.

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    veranstaltungsleitung

    Veranstaltungsleitung: Aufgaben

    Die Veranstaltungsleitung ist nicht nur generell für die Kontrolle der Sicherheit und Vorschriften zuständig, sie stimmt auch mit dem Verantwortlichen für Veranstaltungstechnik (VfVT) die Freigabe der Location ab und prüft diese (spätestens) vor dem Besuchereinlass.

    Während der Veranstaltung führt die Veranstaltungsleitung die Aufsicht während des Betriebs und analysiert permanent den Ablauf und die Umgebungsfaktoren (fortlaufende Gefährdungsbeurteilung). Ebenfalls überwacht sie die Normalorganisation und trifft Entscheidungen über Kompensationsmaßnahmen, welche sie ggf. einzuleiten und entsprechend durchzusetzen, sowie bei sich ändernden Gefahrenpotential zu überwachen hat. Im Rahmen der Normalorganisation hat sie auch Gewähr für die reibungslose Zusammenarbeit von Ordnungsdienst, Brandsicherheitswache und Sanitätsdienst mit der Polizei, der Feuerwehr und dem Rettungsdienst zu leisten.

    Darüber hinaus hat die Veranstaltungsleitung die Notfallorganisation zu überwachen und zu gewährleisten, dass die Organisationsstruktur „Sicherheitskonzept“ (sofern erforderlich) funktioniert.

    Als weitreichende Kompetenz kommt der Veranstaltungsleitung die Entscheidungsbefugnis zum Einstellen des Veranstaltungsbetriebs zu, welcher sie zu treffen hat, wenn:

    • notwendige Anlagen, Einrichtungen oder Vorrichtungen nicht betriebsfähig sind oder
    • Betriebsvorschriften nicht eingehalten werden und
    • ggf. der Veranstaltungsleiter alleine oder das Kompetenzteam sich für eine Räumung entschlossen haben

    Bei der Veranstaltungsleitung laufen die verschiedenen Bereiche zusammen, sodass sie diese zu koordinieren hat. Sie hat gleichfalls für eine geordnete Kommunikation(-sstruktur) Sorge zu tragen.

    Zu den Bereichen können gehören:

    1. die Veranstaltungstechnik mit deren Unterbereichen bzw. Gewerken
    2. die Haustechnik
    3. die Gastronomie samt Servicekräften
    4. der Ordnungsdienst, welcher gegebenenfalls nochmals unterteilt ist (bspw. in Einlass und Saaldienst)
    5. die Künstlerbetreuung (bspw. Stage Manager, Fahrdienst)
    6. der Sanitätsdienst (auch Sanitätswache genannt) mit etwaigen Einsatzabschnitten
    7. den Brandsicherheitswachdienst (Gegenüber dem Brandsicherheitswachdienst ist der Veranstaltungsleiter nur bedingt weisungsbefugt.)
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